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Souks in Marrakesch: So funktionieren sie und so handeln Sie richtig

Wie die Souks von Marrakesch aufgebaut sind, wann man hingeht, was Festpreise hat und wie man höflich handelt, dazu ein offenes Wort zu Provisionen und Verkaufsdruck.

Von Ismail8 Min. Lesezeit

Der Platz Rahba Kedima in den Souks von Marrakesch: rechts Teppiche an den Ladenfassaden und gestapelte gemusterte Kissen, links Kunden an einem Stand unter Sonnenschirmen
Foto: Jakub Hałun / CC BY 4.0 / Wikimedia Commons

Die Souks von Marrakesch sind die überdachten Gassen nördlich des Platzes Jemaa el-Fna, nach Handwerken geordnet: Leder in einem Viertel, Laternen und Schmiedearbeiten in einem anderen, Teppiche rund um einen eigenen kleinen Platz. Über Kunsthandwerk wird gehandelt, über kleine Alltagseinkäufe meist nicht. Überlegen Sie sich, was Ihnen ein Stück wert ist, bevor Sie nach dem Preis fragen, bleiben Sie freundlich, und kaufen Sie, sobald Sie sich geeinigt haben. Unser Team lebt in Marrakesch; so erklären wir die Souks unseren Freunden.

Kurz gesagt:

  • Erst schauen, und die Festpreise im Ensemble Artisanal ansehen.
  • Den eigenen Preis festlegen, dann den des Verkäufers erfragen.
  • Ruhig dagegenhalten und in kleinen Schritten verhandeln.
  • Einigen, dann kaufen: Ein akzeptierter Preis ist ein Versprechen.
  • Höflich gehen, wenn man sich nicht einig wird.

Wie die Souks aufgebaut sind

Die Souks füllen die Medina zwischen dem Jemaa el-Fna im Süden und der Ben-Youssef-Moschee im Norden. Jedes Handwerk hat seit Langem eigene Gassen, traditionell unter der Aufsicht eines Amin, eines von seinen Kollegen gewählten Meisters. Sobald Sie wissen, welches Handwerk wo sitzt, ergibt das Gewirr allmählich einen Sinn.

Souk Was Sie dort finden Wo
Souk Semmarine Stoffe, Kaftane, Pantoffeln, Lederpoufs, Schmuck die überdachte Hauptgasse, ab der Nordseite des Jemaa el-Fna
Rahba Kedima Körbe, Strickmützen, Kräuter- und Heilmittelstände ein dreieckiger Platz östlich der Semmarine
Criée Berbère Teppiche nordöstlich der Rahba Kedima
Souk el-Kebir Ledertaschen, Gürtel, Geldbörsen der rechte Arm, wo sich die Semmarine gabelt
Souk el-Attarine Messing- und Kupferwaren der linke Arm
Souk der Färber (Souk des Teinturiers) gefärbte Wollstränge über der Gasse Richtung Mouassine-Brunnen
Souk Haddadine Schmiede, Eisenwaren, Laternen neben dem Souk der Färber
Souk Cherratine Lederwaren am Nordende der Souks
Souk Smata Babouches (Lederpantoffeln) und Gürtel nahe den Gassen der Juweliere

Der Souk Semmarine ist das Rückgrat, unter einem Gitterdach: erst Gebäck und Töpferwaren, dann Stoffe. Etwa auf halber Strecke öffnet sich rechts eine Gasse zur Rahba Kedima, dem dreieckigen Platz, den viele den Gewürzplatz nennen: Kräuterhändler verkaufen dort Pflanzen, natürliche Duftstoffe und traditionelle Heilmittel neben Stapeln von Körben und Strickmützen. Ein Durchgang führt vom Platz zur Criée Berbère, der einstigen „Berber-Auktion“, heute die Ecke der Teppichhändler. Bevor Sie sich dort zum Tee setzen, erklärt unser Ratgeber zum Teppichkauf in Marokko, wie man einen Teppich beurteilt.

An ihrem Nordende gabelt sich die Semmarine: rechts der Souk el-Kebir mit Ledertaschen, Gürteln und Geldbörsen, links der Souk el-Attarine, benannt nach den Gewürz- und Parfümhändlern, heute aber eher für Messing und Kupfer bekannt. Weiter westlich, Richtung des dreibogigen Mouassine-Brunnens, hängen Wollstränge über dem Souk der Färber. Gefärbt wird dort heute kaum noch, doch er gehört weiterhin zu den farbigsten Ecken der Medina. Gleich daneben verrät das Hämmern den Souk Haddadine, wo Metallhandwerker Laternen und Schmiedearbeiten herstellen und direkt aus der Werkstatt verkaufen. Lederhandwerker füllen weiter nördlich den Souk Cherratine; Babouches reihen sich im Souk Smata.

Sich zu verlaufen ist normal. Ein paar Gewohnheiten helfen:

  • Orientieren Sie sich an Wegmarken: der Platz im Süden, die Medersa Ben Youssef im Norden, der Mouassine-Brunnen im Westen.
  • Laden Sie eine Offline-Karte herunter, aber verlassen Sie sich nicht darauf: Unter den überdachten Gassen verliert das Handy oft seine Position.
  • Fragen Sie einen Ladenbesitzer, am besten einen älteren Mann vor seinem Stand, statt jemanden, der Sie anspricht. Wenn ein Junge Sie zum Platz zurückbringt, erwartet er ein Trinkgeld: Lonely Planet hält etwa 20 Dirham (unter 2 €) für angemessen.
  • Bleiben Sie am Rand: Mopeds und Handkarren fahren den ganzen Tag durch die Gassen, und Sie hören balak! („Platz da!“), bevor Sie sie sehen.

Die Sehenswürdigkeiten rund um die Souks finden Sie in unserer Liste der Sehenswürdigkeiten in Marrakesch.

Wann man hingeht

Morgens ist es am besten. Zwischen etwa 9 und 11 Uhr sind die Gassen ruhiger, in den Werkstätten wird gearbeitet, und mancher Händler möchte gern seinen ersten Verkauf des Tages machen. Die Hauptgassen füllen sich im Lauf des Tages.

Freitag ist der Tag des gemeinsamen Mittagsgebets. Viele Läden öffnen später als sonst, manche Handwerker arbeiten gar nicht, und Teile der Souks bleiben geschlossen: gut für einen Bummel, weniger für ernsthafte Einkäufe. Rund um die beiden Eid-Feste schließen viele Läden für einen Tag oder länger.

Im Ramadan (voraussichtlich etwa vom 8. Februar bis 9. März 2027) ändert sich der Rhythmus: Die Läden öffnen später, tagsüber ist es in den Souks still, abends nach dem Fastenbrechen lebt alles auf. Unser Ratgeber zu Marokko im Ramadan erklärt, was sich sonst noch ändert.

Im Sommer steigen die Temperaturen in Marrakesch regelmäßig über 40 °C: Die überdachten Gassen spenden etwas Schatten, aber gehen Sie früh.

Worüber man handelt und worüber nicht

Handeln Sie bei allem, was von Hand gefertigt ist oder kein Preisschild hat: Teppiche und Stoffe, Leder, Laternen und Metallarbeiten, Schmuck, Keramik, Korbwaren, Babouches. Hier eröffnet der erste Preis das Gespräch.

Handeln Sie nicht, wo Preise angeschrieben oder die Beträge klein sind: Brot, Obst, ein Saft oder ein Snack, Apotheken, Supermärkte, Cafés und Läden mit Preisschildern. Um ein, zwei Dirham zu feilschen, lohnt die Verlegenheit nicht. Gewürze werden nach Gewicht verkauft: Fragen Sie nach dem Preis für 100 Gramm, bevor etwas in die Tüte kommt. Steht Arganöl auf Ihrer Liste, lesen Sie zuerst, wie man echtes Arganöl kauft: Die Herkunft zählt mehr als der Rabatt.

Eichen Sie Ihr Preisgefühl im Ensemble Artisanal. An der Avenue Mohammed V, die von der Koutoubia Richtung Gueliz führt, versammelt dieser staatlich geführte Kunsthandwerkskomplex kleine Läden mit Leder, Stoffen, Teppichen und mehr zu festen, ausgezeichneten Preisen; in den Werkstätten dahinter lernen junge Leute ein Handwerk. Die Preise liegen oft etwas über dem, was ein geduldiger Käufer im Souk aushandelt, und eignen sich deshalb gut als Obergrenze: Wird Ihnen ein ähnliches Stück in der Medina weit darüber angeboten, wissen Sie, dass Spielraum besteht.

Richtig handeln, Schritt für Schritt

Ein faires Verhältnis gibt es nicht, egal was Sie lesen: „ein Drittel bieten“ oder „bei der Hälfte anfangen“ hat keine Quelle, und erste Preise für Besucher reichen von fair bis überhöht. Was funktioniert, ist eine Methode:

  1. Erst schauen. Besuchen Sie ein paar Läden mit der gleichen Ware und vergleichen Sie Qualität und Preis: das Gewicht einer Laterne, die Nähte einer Tasche, die Rückseite eines Teppichs.
  2. Legen Sie Ihren Preis fest, bevor Sie fragen. Was ist Ihnen das Stück wert? Behalten Sie die Zahl für sich.
  3. Fragen Sie nach dem Preis. Bsh7al? heißt „Wie viel?“ (die 7 ist ein gehauchtes h), und unsere marokkanisch-arabischen Sätze enthalten auch die Zahlen. Ein paar Worte Darija machen das Gespräch immer wärmer.
  4. Bieten Sie etwas weniger als den Preis, den Sie gern zahlen würden, und nennen Sie einen Grund: die Größe, die Verarbeitung, ein kleiner Fehler, dass Sie zwei Stück nehmen.
  5. Gehen Sie in kleinen Schritten vor und bleiben Sie locker. Ein Kompliment für die Arbeit oder ein Scherz bringt mehr als gespieltes Desinteresse. Ghali bzzaf („zu teuer“), mit einem Lächeln gesagt, gehört zum Spiel.
  6. Kaufen Sie mehrere Stücke im selben Laden, wenn möglich: Das gibt beiden Seiten Spielraum.
  7. Ist ein Preis vereinbart, kaufen Sie. Eine Zahl zu nennen und zurückzuziehen, wenn der Händler zustimmt, gilt als unhöflich.
  8. Wenn Sie sich nicht einigen, bedanken Sie sich und gehen. Manchmal ruft man Sie zurück, manchmal nicht: Ihr Angebot liegt dann vielleicht einfach unter dem, was das Stück dem Händler wert ist.

Zahlen Sie bar, in Dirham, mit kleinen Scheinen: Wechselgeld für einen 200-Dirham-Schein ist nicht immer zur Hand. Manche größeren Teppich- und Lederläden nehmen Karten, manchmal mit Aufschlag für die Kartengebühr; fragen Sie also, bevor Sie sich auf den Preis einigen. Unser Ratgeber zu Geld in Marokko erklärt Geldautomaten und Karten.

Umgangsformen, die es angenehm halten

  • Minztee ist Gastfreundschaft, kein Vertrag. Nehmen Sie ihn gern an; er verpflichtet Sie zu nichts. Unser Artikel über marokkanischen Minztee erklärt das Ritual.
  • Handeln Sie nur um das, was Sie kaufen könnten, und kämpfen Sie nicht um die letzten Dirham: Sie bedeuten einem Handwerker weit mehr als Ihnen.
  • Fragen Sie, bevor Sie fotografieren, ob Menschen, Stände oder Werkstätten. Manche sagen Nein, manche erwarten ein kleines Trinkgeld oder einen Kauf.
  • Sagen Sie einfach Nein. Bei Schleppern genügen ein Lächeln und la, shukran („nein, danke“). Eine Erklärung schulden Sie niemandem.

Provisionen und Druck: was wirklich dahintersteckt

Erste Preise schwanken aus einem einfachen Grund. In Marrakesch zahlen, wie in vielen touristischen Städten, manche Läden demjenigen eine Provision, der ihnen Kunden bringt, und diese Provision steckt in Ihrem Preis. Ein Bericht von 2020 über falsche Führer in Marrakesch beschrieb, wie sie an jedem Kauf mitverdienten und Händler die Preise für Besucher erhöhten, um das auszugleichen. Das macht die Ware nicht unecht und den Laden nicht unehrlich: Ein Teil dessen, was Sie zahlen, geht eben an den Vermittler statt an den Handwerker.

Meist ist das ein Schlepper auf der Straße oder ein falscher Führer, mit bekannter Masche: „Diese Gasse ist gesperrt“, „der Berbermarkt ist nur heute“, „die Gerberei ist da lang“. Der Weg endet in einem Laden. Die Polizei in Marrakesch nimmt regelmäßig nicht lizenzierte Führer fest (etwa 300 allein im Januar 2020, und einen im August 2026, nachdem ein Video zeigte, wie er von zwei Touristen Geld verlangte). Offizielle Führer sind von den Tourismusbehörden zugelassen und tragen einen Ausweis: Lassen Sie ihn sich zeigen. Die vollständige Liste der Maschen steht in unserem Artikel Ist Marokko sicher für Touristen?

Auch manche lizenzierten Führer und Fahrer erhalten Provisionen. Wer das weiß, behält die Kontrolle:

  • Sagen Sie zu Beginn einer Führung, ob Sie überhaupt einkaufen möchten, und was.
  • Fragen Sie, ob ein Halt eine Werkstatt oder ein Showroom ist. Beides ist in Ordnung, aber nicht dasselbe.
  • Sie schulden nie einen Kauf, weder für einen Tee noch für eine Vorführung oder die Zeit, die jemand mit dem Ausrollen von Teppichen verbracht hat. Ein herzliches Dankeschön genügt.
  • Lassen Sie sich Zeit. „Sonderpreis, nur heute“ ist ein Verkaufsspruch; ein fairer Preis gilt auch morgen noch.

Dieselben Regeln anderswo in Marokko

Fès. Auch die Altstadt Fès el-Bali ist nach Handwerken geordnet, und viele ihrer Werkstätten stellen noch selbst her, was sie verkaufen. Lederläden rund um die Gerberei Chouara lassen Sie von ihren Terrassen auf die Becken blicken: siehe unseren Ratgeber zu den Gerbereien von Fès und dem Lederkauf. Die Töpfer arbeiten außerhalb der Mauern in Ain Nokbi nahe Bab Ftouh, und unser Ratgeber zu marokkanischer Keramik und Zellige erklärt, worauf Sie achten sollten.

Essaouira. Die Medina ist kleiner und flach, das Tempo gemächlicher. Die Thuya-Holzhandwerker haben ihre Werkstätten in den Stadtmauern bei der Skala, und unser Tagesausflug nach Essaouira lässt Zeit, in Ruhe durch die Medina zu bummeln.

Wochenmärkte auf dem Land. Dorfmärkte tragen den Namen ihres Wochentags, etwa Tnine Ourika (tnine heißt Montag). Verkauft werden Erzeugnisse, Vieh und Haushaltswaren statt Souvenirs; es gelten dieselben höflichen Regeln.

Einkaufen mit einem lokalen Guide

Mit der Methode oben können Sie die Souks gut auf eigene Faust erkunden. Mit einem Guide sparen Sie sich Umwege, und die Schlepper verlieren das Interesse. Unsere private Stadtführung durch Marrakesch verbringt den Nachmittag in den Souks, Viertel für Viertel, von den Färbern und Lederhandwerkern bis zu den Laternenmachern und Gewürzhändlern: die beste Art, einzukaufen, ohne sich zu verlaufen oder zu viel zu zahlen. Die Führung richtet sich nach Ihren Interessen, sagen Sie uns also ruhig, wenn Sie gar nicht einkaufen möchten. Und was sich mitzunehmen lohnt und wie es heil nach Hause kommt, lesen Sie in unserem Ratgeber Was man in Marokko kaufen sollte.

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