Kleidung

Was anziehen in Marokko als Frau? Ein entspannter Ratgeber nach Ort und Jahreszeit

Kein Gesetz, keine Kopftuchpflicht: welche Kleidung für Frauen in Marokko wirklich passt, in Medina, Dorf, Badeort und Moschee, Jahreszeit für Jahreszeit, mit kurzer Packliste.

Von Ismail7 Min. Lesezeit

Eine Ladenstraße in Marrakesch unter roten Markisen, mit bunten Tüchern, Strohtaschen und Fußballtrikots sowie Djellabas, Kaftanen und Strohhüten an Schaufensterpuppen am Gehweg
Foto: Jorge Franganillo / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Für Frauen, die Marokko besuchen, gibt es keine Kleiderordnung, und niemand erwartet, dass Sie Ihr Haar bedecken. Die Regel, die fast überall passt: weite Kleidung, die Schultern, Dekolleté und Knie bedeckt, in etwa das, was auch die britische Regierung empfiehlt. Dörfer sind konservativer, Strand, Pool und Ihr Riad dagegen entspannt. Unter der marokkanischen Sonne ist weit und bedeckend außerdem schlicht die angenehmste Art, sich zu kleiden.

Im Folgenden gehen wir Ort für Ort und Jahreszeit für Jahreszeit vor und schließen mit einer kurzen Packliste. Sie reisen mit Partner oder Freunden? Unser Ratgeber Was anziehen in Marokko als Mann kümmert sich um die andere Hälfte des Koffers.

Die kurze Antwort

  • Medinas und Städte: weite Hosen, Midi- oder Maxiröcke und -kleider, Oberteile mit Ärmeln. Schultern, Dekolleté und Knie bedeckt.
  • Dörfer im Atlas und in der Wüste: dasselbe, etwas mehr bedeckt, nichts Enges.
  • Neustädte, Dachterrassen, schicke Restaurants: lockerer, ähnlich wie in einer südeuropäischen Stadt.
  • Strände und Pools: Badekleidung ist kein Problem; für den Weg in die Stadt etwas darüberziehen. Kein Oben-ohne.
  • Moscheen und religiöse Stätten: Schultern, Oberkörper und Knie bedeckt, ein Tuch in der Tasche.
  • Kopftuch: von Besucherinnen nie verlangt.

Gibt es in Marokko eine Kleiderordnung für Frauen?

Nein: Es ist eine Frage der Sitte, nicht des Gesetzes. Marokkanerinnen kleiden sich auf jede erdenkliche Weise, von der Djellaba mit Kopftuch bis zu Jeans und T-Shirt, vom Kostüm bis zum Trainingsanzug. In Casablanca, Rabat oder der Neustadt von Marrakesch gehen Frauen mit und ohne Kopftuch nebeneinander her. Das Haar zu bedecken ist eine persönliche Entscheidung, und von Besucherinnen wird sie nicht erwartet. Ein leichtes Tuch lohnt sich trotzdem: gegen Sonne und Staub und für den Besuch religiöser Stätten.

Erwartet wird von Besucherinnen ein Maß an Zurückhaltung, bei dem sich alle wohlfühlen, Sie selbst eingeschlossen. Die Reisehinweise der britischen Regierung, zuletzt im August 2026 aktualisiert, empfehlen Frauen schlicht, weite Kleidung zu erwägen, die Arme, Beine und Brust bedeckt. Unsere Verhaltensregeln für Marokko sagen dasselbe, im selben Geist: Marokkaner sehen Reisenden, die sich bemühen, viel nach.

Vielleicht haben Sie im Oktober 2024 gelesen, Marrakesch verhänge Bußgelder von bis zu 2.000 Dirham gegen Frauen in „unanständiger“ Kleidung. Das war ein Gerücht aus den sozialen Netzwerken. Eine Quelle in der Lokalverwaltung von Marrakesch erklärte dem Nachrichtenportal Hespress, die Behauptungen seien unbegründet und die Lokalbehörden hätten gar keine Befugnis, solche Regeln zu erlassen. Das Strafgesetzbuch bestraft zwar die öffentliche Verletzung des Anstands, gemeint sind aber Nacktheit und obszöne Handlungen, nicht ein T-Shirt oder ein knielanges Kleid.

Was anziehen, Ort für Ort

Die Medinas von Marrakesch und Fes

In den Altstädten zählt die Kleidung im Alltag am meisten, denn es sind dicht bewohnte, traditionelle Viertel, in denen Familien leben und arbeiten. Weite Hosen oder Leinenhosen, Midi- und Maxiröcke oder -kleider, T-Shirts oder Blusen mit Ärmeln und ein leichtes Tuch: Mehr brauchen Sie nicht. Wählen Sie Stoffe, die nicht kleben, und Ausschnitte, die an Ort und Stelle bleiben, wenn Sie sich über einen Marktstand beugen.

Schuhe sind so wichtig wie Kleidung. Die Gassen der Medina sind uneben, Sie teilen sie mit Mopeds, Eseln und Handkarren, und in Fes geht es ständig steil bergauf und bergab. Flache, geschlossene oder gut sitzende Schuhe sind besser als Sandalen mit dünner Sohle. Bei unserer privaten Stadtführung durch Marrakesch sind Sie fast den ganzen Tag zu Fuß in den Fußgängergassen unterwegs: Bequeme Schuhe sind das Einzige, worauf wir wirklich bestehen.

Neustädte, Casablanca und Dachterrassen

Gueliz und Hivernage in Marrakesch und die Zentren von Casablanca und Rabat erinnern an eine Stadt in Südeuropa. Jeans, knielange Kleider, figurbetonte Oberteile und kurze Ärmel sind dort für viele junge Marokkanerinnen Alltagskleidung. Für einen Abend auf einer Dachterrasse oder im Restaurant passt ein knielanges Kleid mit leichter Strickjacke gut, und damit kommen Sie auch durch die Medina zurück, ohne Blicke auf sich zu ziehen.

Dörfer im Atlas und in der Wüste

Berg- und Wüstendörfer sind die traditionellsten Orte Ihrer Reise. Bedecken Sie Schultern und Knie, verzichten Sie auf Enges oder Durchsichtiges, und Sie fühlen sich wohl, wenn man Sie zum Tee hereinbittet. Danach zählt das Praktische: festes Schuhwerk und warme Schichten in den Bergen, Schutz vor Sonne und Sand in der Wüste. Unsere Ratgeber Was anziehen im Atlasgebirge und Was anziehen in der Sahara gehen ins Detail, Jahreszeit für Jahreszeit.

Badeorte: Essaouira, Taghazout und Agadir

Am Strand und am Pool ist Badekleidung normal, Bikini eingeschlossen; an einem ruhigeren, eher lokalen Strand zieht ein Badeanzug weniger Blicke auf sich. Wenn Sie den Strand verlassen, ziehen Sie einen Kaftan, ein langes Hemd oder einen Sarong über, um in den Ort oder durch die Medina zu gehen. Oben-ohne-Baden wird an keinem öffentlichen Strand akzeptiert.

Essaouira ist windig und deutlich kühler als Marrakesch: Nehmen Sie auf unseren Tagesausflug nach Essaouira auch im Sommer eine leichte Jacke mit.

Riads und Hotels

In Ihrem Riad oder Hotel und an dessen Pool tragen Sie, was Sie möchten: Das Personal ist an Gäste in Shorts und Badekleidung gewöhnt. Ziehen Sie nur etwas über den Badeanzug, um durch die Lobby oder zum Frühstück zu gehen.

Der Hammam

Im Hammam gelten eigene Gewohnheiten, ganz anders als auf der Straße. Was man trägt, was man mitbringt und wie ein Besuch abläuft, erklärt unser Ratgeber zum marokkanischen Hammam.

Moscheen und religiöse Stätten

Die meisten aktiven Moscheen in Marokko sind nur für Muslime zugänglich. Die Hassan-II.-Moschee in Casablanca empfängt Besucher bei Führungen, und ihre offiziellen Regeln verlangen Kleidung, die Schultern und Oberkörper bedeckt und bis unter das Knie reicht, ohne Shorts und ärmellose Oberteile; zum Bedecken der Haare sagen sie nichts. Die Einzelheiten und die passende Kleidung für andere religiöse Stätten finden Sie in unserem Ratgeber zur Kleiderordnung der Hassan-II.-Moschee.

Was anziehen je nach Jahreszeit

Die meisten Reisen beginnen in Marrakesch, deshalb hier die offiziellen Mittelwerte der Stadt (Weltorganisation für Meteorologie, 1991–2020) und was in jeder Jahreszeit passt.

Jahreszeit Marrakesch, mittleres Max. / Min. Was passt
Winter (Dez.–Feb.) Januar: 19,1 / 5,9 °C Jeans oder warme Hose, Pullover, warme Jacke für den Abend, geschlossene Schuhe
Frühling (März–Mai) März: 23,6 / 10,3 °C; Mai: 29,4 / 15,2 °C Schichten: T-Shirt, langärmelige Bluse, leichte Jacke
Sommer (Juni–Aug.) Juli: 37,7 / 20,6 °C Weites Leinen oder Baumwolle, Sonnenhut, Sandalen für den Abend
Herbst (Sept.–Nov.) September: 32,5 / 18,6 °C; November: 23,1 / 10,7 °C Leichte Kleidung tagsüber, eine Schicht für den Abend

Im Winter können Riads nachts kühl sein: Der offene Innenhof, der sie im Sommer kühl hält, lässt auch die Kälte herein. Packen Sie also etwas Warmes für drinnen ein. Fes ist kühler und regnerischer als Marrakesch, mit rund 60 mm Regen im Januar: Eine Regenjacke und Schuhe, denen Pfützen nichts ausmachen, gehören dann dazu.

Im Sommer scheint es logisch, so wenig wie möglich zu tragen. Tatsächlich ist weite, bedeckende Kleidung kühler als enge oder knappe: Sie hält die Sonne von der Haut fern und lässt die Luft zirkulieren. Deshalb kleiden sich so viele Marokkaner bei Hitze genau so. Das Wetter Monat für Monat finden Sie in unserem Ratgeber zur besten Reisezeit für Marokko.

Eine kurze Packliste

Für eine Woche oder zehn Tage deckt diese Liste fast alles ab:

  • 2 oder 3 weite Hosen (Leinen, weites Bein)
  • 1 oder 2 Midi- oder Maxiröcke bzw. -kleider
  • Oberteile mit Ärmeln (T-Shirts sind in Ordnung) und eine langärmelige Bluse gegen die Sonne und für religiöse Stätten
  • Ein leichtes Tuch oder eine Pashmina
  • Eine Strickjacke oder Jeansjacke für den Abend
  • Eine warme Schicht, etwa Fleece oder leichte Daunenjacke, von Oktober bis April
  • Bequeme Laufschuhe und ein Paar Sandalen
  • Badeanzug oder Bikini und etwas zum Überziehen
  • Sonnenhut und Sonnenbrille

Es geht in die Wüste oder in die Berge? Die beiden oben verlinkten Ratgeber nennen, was dazukommt.

Schützt bedeckende Kleidung vor Belästigung?

Sie hilft, entscheidet aber nicht alles. So gekleidet fallen Sie weniger auf, ernten weniger Blicke und fühlen sich in der Medina wohler. Sprüche und allzu hartnäckige Verkäufer kann es trotzdem geben, egal was Sie tragen, und die britische Regierung weist darauf hin, dass Frauen in Marokko unerwünschte Aufmerksamkeit erfahren können, besonders wenn sie allein reisen. Ein ruhiges la, shukran („nein, danke“) und einfach weitergehen ist meist die beste Antwort. Was in der Praxis am meisten hilft, von der Wahl der Unterkunft bis zur Fortbewegung, steht in unserem Ratgeber Als Frau allein durch Marokko reisen.

Im Ramadan

Im Fastenmonat, voraussichtlich etwa vom 8. Februar bis 9. März 2027, kleiden Sie sich in der Stadt etwas bedeckter als sonst: Laut der britischen Regierung kann Kleidung, die nicht den örtlichen Gepflogenheiten entspricht, in dieser Zeit stärker Anstoß erregen. Was sich sonst ändert, von Öffnungszeiten bis zu den Mahlzeiten, erklärt unser Ratgeber Marokko im Ramadan.

Marokkanische Kleidung tragen

Eine leichte Djellaba, das lange Gewand mit Kapuze, oder ein schlichter Kaftan ist eine willkommene und praktische Wahl: im Winter warm über der Kleidung, im Sommer kühl und bedeckend. Die Souks verkaufen sie in jeder Preisklasse, und unser Ratgeber zur traditionellen Kleidung in Marokko erklärt jedes Kleidungsstück und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

FAQ

Kann ich als Frau in Marokko Shorts tragen?

Knielange Shorts sind in Badeorten, am Pool und in Ferienanlagen kein Problem. In den Medinas und in Dörfern sind eine lange Hose oder ein langer Rock angenehmer, wegen der Blicke wie wegen der Sonne.

Kann ich in Marokko Leggings tragen?

Ja, mit einer Tunika, einem langen Hemd oder einem Kleid, das die Hüften bedeckt. Allein getragen ziehen Leggings mehr Blicke auf sich als eine weite Hose.

Kann ich ein ärmelloses Top oder Kleid tragen?

Am Pool und in Ihrem Riad ja. In der Stadt legen Sie eine Bluse, eine Strickjacke oder ein Tuch über die Schultern: Das dauert eine Sekunde und macht einen echten Unterschied.

Kann ich in Marokko Jeans tragen?

Ja. Jeans sind für viele Marokkanerinnen Alltagskleidung und von November bis März angenehm. Im Sommer sind sie heiß, dann sind Leinen oder Baumwolle die bessere Wahl.

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