Was in der Sahara anziehen? Wüstenkleidung für Marokko nach Jahreszeit, und wie man einen Chech bindet
Was Sie in der marokkanischen Sahara tragen: für Fahrt, Kamelritt und kalte Nacht im Camp, nach Jahreszeit, für Frauen und Männer, und wie man einen Chech bindet.
Von Ismail8 Min. Lesezeit
In der marokkanischen Sahara tragen Sie tagsüber weite, lange und leichte Kleidung, zum Sonnenuntergang eine warme Schicht und von November bis März eine richtige Jacke für die Nacht, wenn es bis fast an den Gefrierpunkt abkühlen kann. Ein Chech (das Wüstentuch) oder ein leichter Schal um den Kopf schützt vor Sonne, Wind und Sand, und Ihre Schuhe sollten sich in den Dünen schnell ausziehen lassen. Je nach Jahreszeit ändert sich vor allem, wie warm die Schicht für den Abend sein muss.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie sich kleiden, Stunde für Stunde und Monat für Monat. Was Sie sonst noch brauchen (Kulturbeutel, Stirnlampe, die kleine Tasche fürs Camp), steht in unserer Packliste für die Wüste.
Ein Wüstentag in fünf Outfits
In der Wüste brennt die Sonne, Schatten ist selten, die Luft ist sehr trocken, der Nachmittagswind wirbelt Sand auf, und zwischen Nachmittag und Morgengrauen fällt die Temperatur deutlich: im Mittel um 13 bis 14 °C in Errachidia, der nächstgelegenen Station mit offiziellen Klimawerten, an manchen klaren Tagen um mehr als 20 °C.
Ein Wüstentag auf unseren Touren hat fünf Momente, jeder mit eigenem Outfit:
- Die Fahrt: Stunden im klimatisierten Fahrzeug, über Atlaspässe, die viel kühler sind als Marrakesch. Bequeme Kleidung, eine Schicht griffbereit.
- Der Kamelritt am späten Nachmittag: lange Hose, Chech, Sonnenbrille.
- Der Abend im Camp: Fleece oder Jacke kommen raus, sobald die Sonne untergeht.
- Die Nacht: von November bis März warme Kleidung zum Schlafen.
- Der Sonnenaufgang: der kälteste Moment des Tages. Ziehen Sie alles an und legen Sie Schicht um Schicht ab, während die Sonne steigt.
Was in der Wüste anziehen: nach Jahreszeit
Die Werte unten sind die offiziellen Mittelwerte 1991–2020 für Errachidia, veröffentlicht von der Weltorganisation für Meteorologie. Merzouga liegt etwa 300 Meter tiefer, dort ist es also etwas wärmer. Für Zagora, wo unsere 2-tägige Wüstentour übernachtet, hat die nächste von der WMO geführte Station, Ouarzazate, fast dieselben Mittelwerte: im Januar 17 °C am Tag und 2 °C in der Nacht, im Juli 39 °C und 23 °C.
| Monate | Nachmittag (mittleres Maximum) | Vor Sonnenaufgang (mittleres Minimum) | Tagsüber | Abend und Nacht |
|---|---|---|---|---|
| Dezember–Februar | 16–18 °C | 2–5 °C | Hose, lange Ärmel, Fleece | Daunenjacke, Mütze, warme Socken, Handschuhe |
| März–Mai | 22–30 °C | 9–17 °C | Leichte Hose, lange Ärmel, Windjacke | Fleece, im März eine Jacke |
| Juni–August | 35–40 °C | 22–26 °C | Weite Baumwolle oder Leinen über Armen und Beinen, breitkrempiger Hut, Chech | Eine leichte Schicht genügt |
| September–November | 21–33 °C | 8–20 °C | Leichte Kleidung, lange Ärmel gegen die Sonne | Fleece, im November eine warme Jacke |
Dezember bis Februar. In der Sonne sind die Tage angenehm, aber im Januar sinkt die Nachttemperatur in Errachidia im Mittel auf 2 °C, und manche Nächte kommen dem Frost nahe. Für Abend und Sonnenaufgang brauchen Sie eine Daunen- oder gefütterte Jacke, eine Mütze, warme Socken und, wenn Sie leicht frieren, Handschuhe.
März bis Mai. Der Frühling wird schnell warm, von 22 °C an Märznachmittagen bis 30 °C im Mai. Es ist auch die windigste Jahreszeit: Ein Sandsturm kann den Horizont für ein paar Stunden verschleiern, also halten Sie den Chech griffbereit und packen Sie eine leichte Windjacke ein. Im März verlangen die Abende noch nach einem ordentlichen Fleece.
Juni bis August. Im Juli liegt das mittlere Nachmittagsmaximum in Errachidia bei 39,5 °C, in Merzouga sind 40 bis 45 °C keine Seltenheit. Bedecken statt ausziehen: weite Baumwolle oder Leinen über Armen und Beinen, ein breitkrempiger Hut oder der Chech, eine Sonnenbrille. Im Sommer fahren wir früh los, pausieren in den heißesten Stunden und reiten zum Sonnenuntergang. Die Nächte bleiben bei rund 25 °C, ein T-Shirt oder ein dünnes Langarmshirt reicht.
September bis November. Der September ist noch heiß (im Mittel 33 °C am Nachmittag), der Oktober mild (27 °C am Tag, 14 °C in der Nacht), und der November bringt die Kälte zurück: etwa 21 °C am Nachmittag und 8 °C vor Sonnenaufgang.
Warum bedecken statt Shorts und Trägertop, selbst bei Hitze? Weite Kleidung hält Sonne und Wind von der Haut fern und lässt trotzdem Luft zirkulieren, und dicht gewebter Stoff hält laut der amerikanischen Skin Cancer Foundation mehr UV-Strahlung ab als dünner oder durchsichtiger. Der Schnitt zählt mehr als die Farbe: Eine 1980 in Nature veröffentlichte Studie ergab, dass ein Mann in einem weiten schwarzen Beduinengewand in der Wüste nicht mehr Wärme aufnahm als in einem weißen. Helle Farben fühlen sich in der prallen Sonne kühler an, dunkle oder kräftige Farben blocken mehr UV.
Wenn Sie Ihre Reisezeit noch nicht festgelegt haben, vergleicht unser Artikel zur besten Reisezeit für die Sahara die Jahreszeiten.
Was zum Kamelritt anziehen
Auf unserer 3-tägigen Merzouga-Tour dauert der Ritt in die Dünen des Erg Chebbi etwa zwei Stunden, kleiden Sie sich also für den Sattel:
- Eine lange, weite Hose. Shorts und kurze Röcke scheuern am Sattel und lassen die Beine in der Sonne, und ein langes Kleid ist im Reitsitz unpraktisch.
- Sandalen mit Fersenriemen oder Turnschuhe, die beim Absteigen im Sand an den Füßen bleiben.
- Chech, Sonnenbrille und Sonnencreme: Sie reiten mit der tief stehenden Sonne im Gesicht.
- Taschen mit Reißverschluss oder eine kleine Umhängetasche. Ein Handy, das beim Kamelritt aus der Tasche rutscht, findet man im Sand kaum wieder.
Lange, fließende Kleider sind im Camp ein schönes Fotomotiv: Ziehen Sie sie nach dem Ritt an, nicht dafür.
Was Frauen in der Wüste tragen
In den Dünen gibt es keine besondere Regel, und ein Kopftuch ist nicht nötig. Unterwegs fahren Sie aber durch Dörfer und Kleinstädte wie Rissani, das Draa-Tal oder die Todra-Schlucht, wo bedeckte Schultern und Knie ein Zeichen von Respekt sind. Die Reisehinweise der britischen Regierung empfehlen weite Kleidung, die Arme, Beine und Brust bedeckt. Am bequemsten ist eine weite Hose mit einer langen Tunika oder Bluse, und der Chech dient zugleich als Kopfbedeckung gegen die Sonne. Unser Ratgeber Was in Marokko als Frau anziehen behandelt die Städte und den Rest der Reise.
Was Männer in der Wüste tragen
Eine leichte lange Hose und ein langärmeliges Hemd schützen besser vor der Sonne als Shorts und T-Shirt. In den Dörfern behalten Sie ein Hemd oder T-Shirt an: Ärmellose Shirts oder ein nackter Oberkörper sind dort fehl am Platz. Der Chech ist für Männer so nützlich wie für Frauen. Für den Rest der Reise lesen Sie unseren Ratgeber Was in Marokko als Mann anziehen.
Der Chech: das Wüstentuch, und wie man es bindet
Was ist ein Chech?
Ein Chech (auch Cheche geschrieben, vom arabischen shash) ist eine lange Bahn aus leichter Baumwolle, die wie ein Turban um den Kopf gewickelt wird, mit einem losen Ende, das man bei aufkommendem Wind über Nase und Mund zieht. Er hält die Sonne von Kopf und Nacken und den Sand vom Gesicht fern. Im Süden Marokkos tragen Kameltreiber, Fahrer und viele Reisende einen, in allen Farben. Djellaba, Kaftan und die anderen Kleidungsstücke des Landes stellt unser Ratgeber zur traditionellen marokkanischen Kleidung vor.
Chech oder Tagelmust?
Das Wort Cheche wird auch für den Tagelmust verwendet, den indigoblauen Schleier-Turban der Tuareg-Männer, der mehr als zehn Meter lang sein kann. Tuareg-Männer tragen ihn ab dem Erwachsenenalter, und seine Indigofarbe, die auf die Haut abfärbt, brachte ihnen den Beinamen „blaue Männer der Wüste“ ein. Die Tuareg leben jedoch weiter südlich und östlich, vor allem in Algerien, Libyen, Mali und Niger: Die Kameltreiber mit Turban, denen Sie in Merzouga oder Zagora begegnen, sind keine Tuareg. In Marokko ist der Chech einfach die praktische Kopfbedeckung für die Wüste.
Wo man einen bekommt
In den Souks von Marrakesch vor der Abreise oder unterwegs: Läden in Rissani, Merzouga und Zagora verkaufen sie. Wählen Sie Baumwolle, die atmet, und eine Länge von einigen Metern.
Chech binden: Schritt für Schritt
Es gibt viele Arten, ihn zu binden. Diese einfache Methode ist an eine Anleitung des Sporthändlers Decathlon angelehnt:
- Machen Sie etwa 30 cm vor einem Ende des Tuchs einen lockeren Knoten.
- Legen Sie das Tuch auf den Kopf, den Knoten hinten, den langen Teil nach vorn hängend.
- Drehen Sie den langen Teil über der Stirn fest ein, damit er hält.
- Wickeln Sie ihn je nach Länge ein- oder zweimal um den Kopf.
- Stecken Sie das Ende hinten am Kopf fest, direkt über dem Knoten.
- Lösen Sie den Knoten, führen Sie das kurze Ende nach vorn über Nase und Mund und stecken Sie es auf der anderen Seite in die Wicklungen.
Lässt der Wind nach, ziehen Sie das Gesichtsteil unter das Kinn. Bei einem Sandsturm ziehen Sie eine Stofffalte bis knapp unter die Augen. Und wenn sich beim ersten Versuch alles löst: Unsere Guides zeigen Ihnen den Handgriff vor Ort.
Schuhe und Füße
Viele Reisende laufen barfuß durch die Dünen, und das macht den halben Reiz aus. Der Sand ist an Sommernachmittagen heiß und im Morgengrauen kalt, tragen Sie also Sandalen oder Turnschuhe, die Sie leicht ausziehen können, und im Winter Socken. Schwere Wanderstiefel sind überflüssig. Bei niedrigen Schuhen hält eine Hose, die über den Schuh fällt, einen Teil des Sandes ab.
Was nachts im Wüstencamp anziehen
Einfache Camps stellen dicke Decken, und manche Luxuscamps haben zusätzlich Heizgeräte: Unsere Seite zum Luxus-Wüstencamp in Merzouga zeigt, was die Zelte bieten. Von November bis März schlafen Sie am besten in Funktionsunterwäsche oder Jogginganzug, mit warmen Socken und Mütze, und legen die Schicht für den Sonnenaufgang neben das Bett: Sie werden sie vor der Morgendämmerung brauchen. Im Sommer reicht ein leichter Schlafanzug, und manche Reisende schlafen draußen unter den Sternen.
Agafay ist anders
Agafay, 45 Minuten von Marrakesch entfernt, ist eine Steinwüste aus kahlen Hügeln, die man für einen Nachmittag und Abend besucht. Am Nachmittag genügt leichte Kleidung, doch die Abende können selbst im Frühling und Herbst kühl sein: Nehmen Sie eine warme Schicht fürs Abendessen mit. Wenn Sie Quad oder Buggy fahren, tragen Sie geschlossene Schuhe und halten Sie einen Schal oder Chech bereit, den Sie gegen den Staub übers Gesicht ziehen. Unser Ausflug in die Agafay-Wüste und unsere Seite zu kurzen Wüstenausflügen ab Marrakesch stellen die Möglichkeiten vor.
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