Was isst man in Marrakesch? Tanjia, Méchoui und wo die Einheimischen essen
Tanjia aus der Glut des Hammam-Ofens, Méchoui aus dem Erdofen zur Mittagszeit und die Märkte der Marrakchis: die Gerichte der Stadt, mit Zeit und Ort für jedes.
Von Ismail7 Min. Lesezeit
In Marrakesch sollten Sie zuerst die beiden Gerichte essen, auf die die Stadt stolz ist: Tanjia, Rind- oder Lammfleisch, das in einem Tonkrug in der Glut eines Hammam-Ofens langsam gart, und Méchoui, ganzes Lamm aus dem Erdofen, das mittags gleich neben dem Jemaa el-Fna nach Gewicht verkauft wird. Danach essen Sie wie die Marrakchis: morgens Fladen von der heißen Platte, mittags Gegrilltes oder eine einfache Garküche, und lieber die Viertelmärkte von Bab Doukkala und der Mellah als die Restaurants mit Fotospeisekarten.
Unser Team lebt in Marrakesch, und hier geht es um die Küche der Stadt selbst, jeweils mit Tageszeit und dem Teil der Medina, in dem Sie sie finden. Die landesweiten Gerichte, von Tajine und Couscous bis Pastilla und Harira, stehen in unserem Ratgeber Was isst man in Marokko?, deshalb wiederholen wir sie hier nicht.
Ein Esstag in Marrakesch
| Wann | Was essen | Wo |
|---|---|---|
| Ab etwa 7 Uhr | Msemen, Harcha, Baghrir, Sfenj, Minztee oder Kaffee | Fladenstände an den Medina-Toren und Märkten |
| Etwa 11–14 Uhr | Méchoui, Tanjia | Méchoui-Gasse, Nordseite des Jemaa el-Fna |
| Mittags | Tagesgericht, Spieße und Kefta | Einfache Lokale, Rue Bani Marine |
| Später Nachmittag | Msemen zum Tee, Sfenj, Schnecken | Imbissstände und Schneckenkarren |
| Ab der Dämmerung | Gegrilltes, Harira, Schnecken | Die Stände auf dem Jemaa el-Fna |
| Abendessen | Hausgemachte Tajine oder Couscous | Ihr Riad, morgens bestellt |
Tanjia, das Gericht von Marrakesch
Die Tanjia (auch Tangia geschrieben) trägt den Namen ihres Gefäßes: ein hoher Tonkrug mit Henkeln, ein wenig wie eine Amphore. Der Metzger oder der Koch füllt ihn mit Rind- oder Lammfleisch, oft Haxe, Salzzitrone, Knoblauch, Kreuzkümmel, Safran, einem Löffel Smen (gereifte, gesalzene Butter), etwas Öl und Wasser. Die Öffnung wird mit Papier verschlossen, mit Schnur zugebunden und eingestochen, damit der Dampf entweichen kann.
Dann verlässt der Krug die Küche. Er kommt in den Farnatchi, den Holzofen, der das Wasser eines Hammams im Viertel heizt, und der Heizer vergräbt ihn gegen ein kleines Entgelt in der heißen Glut. Dort gart er mehrere Stunden, oft über Nacht, bis das Fleisch in einer buttrigen, zitronigen Soße zerfällt, die man mit Brot auftunkt.
Tanjia ist ein Männergericht. Handwerker und Arbeiter aus den Souks bereiteten sie für ihren freien Tag zu: Am Donnerstagabend legten Freunde ihr Geld zusammen, der Metzger füllte den Krug, und am Freitag holten sie ihn am Ofen ab und aßen gemeinsam, oft bei einem Picknick in einem der Gärten der Stadt. Daher der Spitzname „Junggesellen-Eintopf“. Viele Marrakchis machen sie noch heute so, über den Metzger im Viertel und den Hammam-Ofen, und im Ramadan stehen dort die Krüge dicht an dicht.
Verwechseln Sie sie nicht mit der Tajine: Eine Tajine schmort in einer flachen Schale unter einem kegelförmigen Deckel, eine Tanjia steht aufrecht in der Glut.
Wo Sie sie essen. Am einfachsten in der Méchoui-Gasse (siehe unten), wo die Theken sie portionsweise direkt aus dem Krug servieren. Einfache Lokale in der Medina verkaufen sie etwa zum Preis einer Tajine, rund 30–60 MAD (3–6 €); Restaurants verlangen mehr und möchten sie wegen der langen Garzeit oft am Vortag bestellt haben. Fragen Sie auch in Ihrem Riad am Tag davor: Manche können eine besorgen.
Méchoui zur Mittagszeit
Auf der Nordseite des Jemaa el-Fna, wo die Souks beginnen und die Olivenhändler des Souk Ablouh ihre Schüsseln aufhäufen, röstet eine kurze Gasse voller Theken jeden Morgen Lamm. Reiseführer nennen sie Mechoui Alley, die Méchoui-Gasse. Früh am Tag werden ganze Lämmer in Erdöfen aus Lehm hinabgelassen, die in den Boden eingelassen sind, und stundenlang gegart, bis sich das Fleisch bei der kleinsten Berührung löst.
Kommen Sie zwischen etwa 11 und 14 Uhr. Die besten Stücke gehen zuerst weg, am Nachmittag sind die meisten Theken ausverkauft, und abends ist die Gasse ruhig.
So funktioniert es:
- Wählen Sie Ihr Stück und sagen Sie, wie viel Sie möchten: Ein halbes Kilo reicht für zwei Personen.
- Einigen Sie sich vor dem Schneiden auf den Preis. Méchoui wird nach Gewicht verkauft; neuere Berichte nennen etwa 250 MAD pro Kilo (rund 23 €).
- Das Fleisch wird gewogen, zerteilt und serviert, mit rundem Brot und einem Schälchen Kreuzkümmel und Salz zum Eintunken. Bestellen Sie einen Minztee und essen Sie mit den Fingern an den Tischen drinnen.
- Für Neugierige verkaufen dieselben Theken Schafskopf, und Tanjia portionsweise.
Vor manchen Theken ruft jemand die Vorbeigehenden herein. Wählen Sie die, an der Marokkaner essen.
Frühstück und Snacks in der Medina
Ab etwa 7 Uhr backen die Stände an den Medina-Toren und rund um die Märkte die Fladen, die Marrakchis auf dem Weg zur Arbeit essen: den quadratischen, blättrigen Msemen, manchmal mit Zwiebeln und Gewürzen gefüllt; Harcha, ein dickes Grießfladenbrot; und den lockeren Baghrir. Dazu Honig oder Butter und ein Minztee oder ein Nous-nous (halb Kaffee, halb Milch). Fladen und Getränk kosten unter 20 MAD (unter 2 €).
Halten Sie auch nach Sfenj Ausschau, Teigringen, die vor Ihren Augen frittiert und pur oder mit Zucker gegessen werden, morgens und noch einmal am späten Nachmittag. Einfache Lokale schöpfen den ganzen Tag Harira, in den kalten Monaten auch Bissara. Am Nachmittag kommen dieselben Fladen zum Tee zurück, und Schneckenkarren verkaufen Schalen mit Babbouche, Schnecken in würziger Brühe: Man holt sie mit einem Zahnstocher heraus und trinkt dann die Brühe.
Unser Ratgeber zum marokkanischen Frühstück erklärt jeden Fladen und was Sie auf dem Frühstückstisch im Riad finden. Alles, was vor Ihren Augen frisch gebacken oder frittiert wird, ist ein sicherer Einstieg für einen empfindlichen Magen; unser Artikel Ist Streetfood in Marokko sicher? erklärt den Rest.
Wo die Marrakchis essen
Die meisten Besucher essen im Umkreis von ein paar hundert Metern um den Jemaa el-Fna. Die Marrakchis kaufen ein und essen zwischendurch auf den Märkten ihres Viertels, und dort finden Sie Essen, das nicht für Touristen angepasst wurde.
Bab Doukkala
Die Marktstraße hinter Bab Doukkala, dem Tor im Nordwesten der Medina, etwa 20 Gehminuten vom Platz entfernt, ist der Ort, an dem die Familien des Viertels täglich einkaufen. Metzger hängen Lämmer auf, Gemüse, Oliven und Kräuter gibt es zu Einheimischenpreisen ohne Feilschen, Brot kommt aus den Öfen, und kleine Grills machen Kefta-Sandwiches. Gehen Sie morgens hin: Ab etwa 7 Uhr ist viel los, und gegen Mittag packen viele Stände zusammen.
Der Markt der Mellah
In der Mellah, dem alten jüdischen Viertel neben dem El-Badi-Palast, versorgt die Markthalle das Viertel mit Gewürzen, Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, und in den Straßen ringsum gibt es Händler für Eingelegtes und Imbissstände. Unser Ratgeber zum jüdischen Erbe in Marokko erzählt die Geschichte des Viertels.
Rue Bani Marine
Die Rue Bani Marine führt vom Jemaa el-Fna nach Süden, parallel zur Rue Bab Agnaou, und reiht einfache Grilllokale aneinander: Spieße und Kefta über Holzkohle, Tomaten-Zwiebel-Salat, Brot und eine kurze Tageskarte. Mittags füllen sich die Tische mit Leuten, die in der Nähe arbeiten.
Woran Sie ein Lokal der Einheimischen erkennen
- Eine kurze Tageskarte, oft handgeschrieben, und Tajines, die vor der Tür auf Holzkohle köcheln.
- Arbeiter und Familien an den Tischen zur Mittagszeit.
- Couscous nur am Freitag: Manche kleinen Lokale kochen ihn nur an diesem Tag.
- Preise an der Wand und niemand, der Sie hereinruft. Eine Tajine kostet etwa 30–60 MAD (3–6 €).
- Vorsicht bei: Schleppern, laminierten Fotospeisekarten in fünf Sprachen und fehlenden Preisen.
Der Abendmarkt auf dem Jemaa el-Fna
In der Abenddämmerung füllt sich der Platz mit Grillständen, Harira-Kesseln und Schneckenkarren, und der Rauch steigt über die Menge. Das lohnt einen Abend, hat aber seine eigenen Regeln: Schlepper, Preistafeln und Teller, die Sie nicht bestellt haben. Unser Ratgeber zu den Essensständen auf dem Jemaa el-Fna erklärt, wie es funktioniert und wie Sie nicht zu viel bezahlen.
Riads, Dachterrassen und Gueliz
Ihr Riad ist oft der beste Ort in der Medina für Hausmannskost: eine Tajine oder ein Couscous von der Köchin des Hauses, so wie Familien kochen. Fragen Sie morgens, damit Zeit zum Einkaufen bleibt.
Dachterrassen-Restaurants rund um den Platz sind für die Aussicht da: Trinken Sie dort bei Sonnenuntergang einen Minztee und sehen Sie dem Rauch der Stände unter Ihnen zu. Sie bezahlen eher die Kulisse als die Küche.
Gueliz, die Neustadt außerhalb der Medina-Mauern, ist das Viertel, in das Marrakchis für moderne marokkanische Küche, internationale Gerichte, Konditoreien und Caféterrassen gehen. Eine feste Größe dort ist Al Fassia, 1987 eröffnet und in Küche und Service von Frauen geführt, bekannt für klassische marokkanische Gerichte; reservieren Sie vorher.
Mit Guide essen, oder selbst kochen
Bei unserer privaten Stadtführung durch Marrakesch liegt das Mittagessen zwischen den Palästen am Vormittag und den Souks am Nachmittag. Sagen Sie Ihrem Guide, dass Sie dort essen möchten, wo Marrakchis essen, an einer Méchoui-Theke oder in einem einfachen Lokal statt in einem Touristenrestaurant; das Mittagessen ist nicht im Preis enthalten und wird vor Ort bezahlt.
Wer die Gerichte lieber lernen als nur essen möchte: Bei unserem Kochkurs in einem Berberhaus im Atlas bereiten Sie mit einer Familie Tajine, Couscous, Salate und Brot zu und essen dann gemeinsam. Unser Ratgeber zu Kochkursen in Marrakesch vergleicht ihn mit den Kursen in der Medina. Sie möchten einen Genusstag in Ihre Reise einbauen? Schreiben Sie uns auf WhatsApp oder kontaktieren Sie uns.

